Immobiliensteuern sind in den letzten Jahren in der europäischen Öffentlichkeit ein immer häufigeres Thema. Ihre Bedeutung liegt nicht nur in der Füllung der Staats- und Kommunalhaushalte, sondern auch in ihrem starken Einfluss auf den Wohnungsmarkt. Während einige Staaten versuchen, das Preiswachstum und die Verfügbarkeit von Wohnungen durch Steuern zu regulieren, nutzen andere sie immer noch in deutlich geringerem Umfang. Wo steht Kroatien in dieser Geschichte?
Kroatien im “goldenen Mittelfeld”
Nach Angaben der Europäischen Kommission für das Jahr 2023 betrug der Anteil der Immobiliensteuern am kroatischen BIP etwa 1 %. Dies ordnet uns im unteren Bereich der europäischen Tabelle ein, zusammen mit Deutschland, während der Durchschnitt der Europäischen Union bei 1,9 % liegt.
Zum Vergleich: Frankreich und Großbritannien liegen mit einem Anteil von 3,7 % des BIP vorne, während Belgien mit 3,2 % den dritten Platz belegt. In absoluten Zahlen sind die Unterschiede noch deutlicher – Großbritannien sammelte 2023 115 Milliarden Euro ein, Frankreich 104,5 Milliarden, während Kroatien mit Einnahmen, die sich in Hunderten von Millionen Euro messen, auf einem bescheideneren Niveau liegt.
Grunderwerbsteuer – wichtige Einnahmequelle für die lokalen Einheiten
In Kroatien ist die bedeutendste Form der Immobilienbesteuerung die Grunderwerbsteuer, die 3 % des Wertes des gekauften Objekts beträgt. Diese Einnahmen gehen nicht an den Staat, sondern an die lokalen Einheiten, so dass Städte und Gemeinden stark von dieser Steuerform abhängig sind.
Darüber hinaus wurde in diesem Jahr eine breitere Immobiliensteuer als Ersatz für die bisherige Ferienhaussteuer eingeführt. Sie bezieht sich auf Objekte, die für kurzfristige touristische Vermietungen genutzt werden, was besonders für Küstenstädte und -gemeinden wichtig ist. Damit versucht der Staat, auf den zunehmenden Druck des Tourismus auf die lokalen Wohnungsmärkte zu reagieren.
Vergleich mit Europa
Betrachtet man den Anteil der Immobiliensteuern an den gesamten Steuereinnahmen, so liegt Kroatien ebenfalls unter dem Durchschnitt – bei uns sind es etwa 1 %, während der Unionsdurchschnitt bei 4,7 % liegt. An der Spitze der Tabelle steht Frankreich mit sogar 8,4 %, gefolgt von Belgien (7,4 %), Griechenland (7 %), Spanien (6,7 %) und Portugal (5,9 %).
In Deutschland, mit dem wir uns oft vergleichen, beträgt dieser Anteil nur 2,5 %, was zeigt, dass selbst die größten europäischen Volkswirtschaften nicht unbedingt ein hohes Maß an Abhängigkeit von immobilienbezogenen Steuern haben müssen.
Innerhalb der Immobiliensteuer ist auch die Grunderwerbsteuer ein wichtiger Bereich, der alle Transaktionen wie Kauf und Verkauf oder Eintragungen in das Grundbuch umfasst. Italien ist mit einem Anteil von 1 % des BIP führend, während Kroatien mit seiner Grunderwerbsteuer von 3 % ebenfalls einen bedeutenden Platz einnimmt, obwohl die Gesamtsummen aufgrund des geringeren Marktvolumens niedriger bleiben.
Kontroversen und Vorschläge in Europa
Eines der interessantesten Beispiele kommt aus Spanien, wo die Regierung vorgeschlagen hat, eine 100-prozentige Steuer auf den Kauf von Immobilien für Nicht-EU-Bürger einzuführen. Ziel war es, den Druck ausländischer Investoren auf den heimischen Markt zu verringern und erschwinglichere Wohnungen für die lokale Bevölkerung zu ermöglichen. Diese Idee hat eine große Debatte ausgelöst, und viele Experten warnten davor, dass solch radikale Maßnahmen negative Auswirkungen auf Investitionen und den Markt haben könnten.
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Expertenmeinungen: Sollte Kroatien die Steuern erhöhen?
Laut Experten balanciert Kroatien derzeit zwischen dem Bedarf an Einnahmen und dem Wunsch, die Bürger nicht zusätzlich zu belasten. OECD und zahlreiche Ökonomen weisen jedoch darauf hin, dass es Spielraum für eine gerechtere und effizientere Besteuerung von Immobilien gibt. Dies könnte, mit richtig konzipierten Maßnahmen, auch dazu beitragen, das Wachstum der Wohnungspreise zu mildern.
Professor José García Montalvo von der Universität Pompeu Fabra in Barcelona warnt davor, dass ständige politische Änderungen und die Inkohärenz von Steuermaßnahmen oft zu ineffizienten Ergebnissen und unvorhersehbaren Auswirkungen auf den Markt führen. Kroatien sollte, so die Experten, vorsichtig sein – denn obwohl höhere Steuern mehr Einnahmen bringen können, ist ihre Koordinierung mit Politiken, die den Bau und die Verfügbarkeit von Wohnungen fördern, von entscheidender Bedeutung.
Kroatien befindet sich derzeit im “goldenen Mittelfeld” Europas – es gibt Immobiliensteuern, aber ihre Bedeutung für die Haushaltseinnahmen ist weitaus geringer als in Frankreich, Belgien oder Spanien. Trends zeigen jedoch, dass die Debatte über eine gerechtere und umfassendere Besteuerung von Immobilien immer stärker in den Vordergrund treten wird, insbesondere im Kontext steigender Preise und Wohnungsprobleme.
Inwieweit sich Kroatien entscheiden wird, den europäischen Beispielen zu folgen, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass die Steuerpolitik in Bezug auf Immobilien zu einer der wichtigsten Fragen wird, die den Markt in den kommenden Jahren prägen werden.

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